Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen in Politik und Wirtschaft“

Bad Schönborn, 11. Januar 2026 – Der Ortsverband Bad Schönborn von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN freut sich über den großen Erfolg der gemeinsamen Veranstaltung mit den Ortsverbänden Kronau und Östringen zum Auftakt des Landtagswahlkampfs im Wahlkreis Bruchsal. Im Haus des Gastes in diskutierte ein hochkarätig besetztes Podium vor rund 60 Gästen über das Thema „Frauen in Politik und Wirtschaft“.Moderiert von Landtagskandidatin Nicole Heger begeisterten Franziska Brantner, Bundesvorsitzende der Grünen, Cornelia Petzold-Schick, ehemalige Oberbürgermeisterin von Bruchsal, Dr. Anne-Marie Parth, Gemeinderätin in Bad Schönborn, sowie Prof. Dr. Sara Köser, Expertin für Wirtschaftspsychologie, das Publikum mit einer lebendigen und fundierten Diskussion.

Zentrale Themen der Veranstaltung

Im Mittelpunkt standen Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Besonders betont wurde die Bedeutung flexibler Kinderbetreuung, um Eltern aus der Teilzeitfalle zu holen und gleichzeitig dringend benötigte Fachkräfte für die Wirtschaft zu gewinnen – ein Anliegen, das Nicole Heger persönlich in die Kommunalpolitik geführt hat.

Prof. Dr. Sara Köser wies auf das Teilzeit-Dilemma hochqualifizierter Frauen hin: Viele verbleiben dauerhaft in Teilzeit, was dazu führt, dass dem Arbeitsmarkt Fachkräfte verloren gehen, Karrieremöglichkeiten eingeschränkt werden und langfristig das Risiko von Altersarmut steigt. Sie betonte zugleich, dass Frauen nach wie vor unterschwellig strukturell benachteiligt werden – insbesondere durch stereotype Erwartungen an Care-Arbeit, die überwiegend weiblich geprägt ist. Bereits Ende zwanzig, so Köser, würden Frauen bei Stellenbesetzungen oft benachteiligt, weil mögliche Schwangerschaft oder Familienplanung negativ bewertet werde. Dadurch werde ein enormes Potenzial verschenkt.

Franziska Brantner betonte, dass echte Wahlfreiheit für unterschiedliche Lebensentwürfe geschaffen werden müsse – inklusive der Entscheidung, sich Haushalt und Familie zu widmen, ohne diese Lebensformen zu diskreditieren. Dabei verwies sie auf persönliche Erfahrungen als Politikerin und Alleinerziehende. Auch in politischen Verhandlungen würden Frauen oft anders bewertet: „Wenn eine Frau hart verhandelt, gilt sie schnell als zickig oder anstrengend“, so Brantner. Sie schlug vor, Sitzungszeiten effizienter zu gestalten, indem Redebeiträge fokussiert werden: „Wer die Meinung der Vorrednerin teilt, kann das kurz benennen, statt alles noch einmal zu wiederholen.“ Cornelia Petzold-Schick schilderte eindrücklich, wie subtil Machtstrukturen wirken: „Je höher Frauen in die Machtstrukturen vordringen, desto subtiler werden die Mechanismen – die Luft wird dünner, je elitärer die Kreise.“ Nach wie vor gebe es „mehr Thomasse und Michaels in Bürgermeisterstellen als weibliche Bürgermeisterinnen“, was die strukturelle Schieflage verdeutliche. Frauen würden häufiger von informellen Netzwerken ausgeschlossen und durch unflexible Arbeitszeiten benachteiligt. Dabei sei weibliche Solidarität gerade im Wahlkampf entscheidend, um Strukturen zu verändern.

Cornelia Petzold-Schick wies außerdem darauf hin, dass Frauen tendenziell sachorientierter und weniger netzwerkorientiert kommunizieren. „Das ist eine Stärke, die aber häufig im politischen Umfeld anders bewertet wird.“ Sie forderte zugleich steuerliche Reformen, um Gleichberechtigung zu fördern: „Statt das Ehegattensplitting beizubehalten, sollten – wie in Dänemark – Modelle gefördert werden, die 70-Prozent-Arbeitsstellen steuerlich begünstigen, sodass beide Partner gleichberechtigt 70 % arbeiten können.“

Dr. Anne-Marie Parth brachte die Perspektive der kommunalen Praxis ein. Sie betonte, dass es nicht reiche, nur individuelle Lösungen für strukturelle Probleme zu suchen: „Frauen müssen auf flexible Arbeitsbedingungen achten, Prioritäten setzen und Grenzen ziehen – aber die Politik muss dafür auch die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.“ Konkret forderte sie, Sitzungszeiten zu begrenzen, Kinderbetreuung für kommunalpolitisch Engagierte zu bezahlen und Sitzungen, wo sinnvoll, digital anzubieten. Diese Maßnahmen seien ein einfacher, aber wichtiger Schritt für mehr Gleichberechtigung in der kommunalen Politik.

Lösungsansätze der Grünen

Die öffentliche Debatte über Quotenregelungen wurde kritisch, aber konstruktiv diskutiert: Häufig werde pauschal negativ über „die Quote“ gesprochen, ohne die unterschiedlichen Ausgestaltungen zu kennen oder die anhaltenden strukturellen Benachteiligungen von Frauen zu berücksichtigen, auf die solche Instrumente reagieren.Die Grünen verwiesen auf erfolgreiche Ansätze wie in Heidelberg. Dort werden Modelle des gemeinschaftlichen Wohnens gezielt gefördert – etwa durch Wohnbörsen und das Team Strategische Wohnentwicklung. Wohngemeinschaften mit integrierter Kinderbetreuung sowie Fachkräftehäuser mit Studios und Gemeinschaftsräumen entlasten berufstätige Frauen, ermöglichen höhere Erwerbsumfänge und stärken gleichzeitig die regionale Wirtschaft. So entstehen neue Freiräume, ohne bestimmte Lebensmodelle vorzuschreiben. Diese Strukturen tragen dazu bei, Altersarmut zu verhindern und Fachkräfte zu sichern.

Die gemeinsame Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig und praxisnah Gleichstellungspolitik vor Ort gedacht werden kann. Die Ortsverbände Östringen, Bad Schönborn und Kronau laden alle Interessierten herzlich zu weiteren Veranstaltungen ein, um gemeinsam den sozialen und wirtschaftlichen Fortschritt in Baden-Württemberg voranzubringen.

(Matthias Eckstein/ Carolin Haller)