- Energie- und Klimaschutzkonzept Bad Schönborn
Entwurf als Beitrag des Ortsverbands Bündnis 90/Die Grünen
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Nach der Energiewende der Bundesregierung wird immer mehr Menschen bewusst, dass diese nur dann erfolgreich sein kann, wenn sie auf allen Ebenen, d.h. auf Bundes-, Landes-, Kreis- und kommunaler Ebene verfolgt wird.
Auf allen Ebenen müssen die Verantwortlichen und Bürger die Ziele der Energiewende und damit des Klimaschutzes mit Engagement und geeigneten Maßnahmen umsetzen. Bad Schönborn hat leider schon viele wertvolle Jahre verstreichen lassen, ohne sich intensiver mit Maßnahmen zum Klimaschutz und zur CO2-Reduzierung zu beschäftigen. Mit Einzelmaßnahmen hier und dort werden wir dem Energie- und Klimaschutzthema auf kommunaler Ebene nicht gerecht.
Vielmehr müssen ineinander greifende Maßnahmen in den drei wichtigen EEE-Bereichen geplant, kalkuliert, durchgeführt und auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.
EEE steht für
- mehr Energieeinsparung
- mehr Energieeffizienz und
- mehr Erneuerbare Energien
In den Bereich der Energieeinsparungen gehören alle Maßnahmen, die durch aktive Verhaltensänderungen zu einem niedrigeren Verbrauch von Energie (Heizenergie oder Strom) führen. Beispiele dafür sind Licht in ungenutzten Räumen ausschalten, Autofahrten vermeiden, Raumtemperatur senken, Kochtöpfe beim Kochen mit einem Deckel abdecken.
Die Steigerung der Energieeffizienz geschieht durch den Austausch alter, energetisch meist ineffizienterer Geräte durch sparsame Neugeräte, z. B. Kühl- und Gefriergeräte, Heizungspumpen und Leuchtmittel.
Ein Mehr an Erneuerbaren Energien wird erreicht durch den Umstieg auf zertifizierten Strom aus nachweislich erneuerbaren Quellen, durch den Umstieg auf nachwachsende Energieträger oder durch das Einspeisen von Solarstrom aus der eigenen Anlage in das Stromnetz.
Die Gemeinde kann ihrer Verantwortung in Sachen Klimaschutz in allen drei EEE-Bereichen in ihren verschiedenen kommunalen Funktionen nachkommen. Ausgangspunkt sollte dabei die Formulierung eines Energieleitbildes und die Entscheidung der Gemeinde, sich zu einer klimafreundlichen Kommune entwickeln zu wollen, sein.
Ein Energieleitbild für die Gemeinde sollte den aktuellen Energieverbrauch sowie den aktuellen CO₂-Ausstoßes berechnen. Dazu sind klare Aussagen zu formulieren, um wieviel und bis wann dieser Verbrauch vermindert wird. Diese könnten beispielsweise in Form eines “Handlungsprogramm Klimaschutz: Politischer Beschluss zur CO₂-Reduzierung um 40 Prozent sowie Nutzung von 20 Prozent erneuerbarer Energien bis 2020″ sein.
Hilfreich für die Analyse der CO2-Emissionen und für die Einschätzung des Einsparpotentials sind die Daten und Fakten der Energieragentur des Landkreises (www.zeozweifrei.de) sowie zum Beispiel Strategiepapiere wie der „Masterplan 100% Klimaschutz – auf dem Weg zur Null-Emissions-Kommune“ vom Institut für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg (ifeu).
Mögliche Aktionsfelder und Maßnahmen
Im Folgenden wird der Versuch unternommen, für die verschiedenen kommunalen Funktionen einer Gemeinde Aktionsfelder und Maßnahmen für das Erreichen des Zieles einer „klimafreundlichen Kommune“ zusammenzustellen. Mit der Liste wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben. Die Angaben stützen sich auf die Quellen, die am Schluß genannt werden.
1. Die Gemeinde als Verbraucherin
- Beleuchtung auf energiesparende Leuchtmittel (Energiesparlampen und vor allem LEDs) umstellen
- Straßenbeleuchtung und der Ampeln auf LED umstellen und Leuchtzeiten überprüfen
- Ersatz der Weihnachtsbeleuchtung durch LED-Lichterketten
- Bürogeräte (Computer, Drucker, …) und anderer Elektrogeräte (z. B. Kühlgeräte in Kindergärten, Schulen und Teeküchen) bezüglich ihres Stromverbrauchs überprüfen, und durch neue energiesparende Modelle ersetzen
- Heizungsanlagen modernisieren und Heizungspumpen durch intelligente, energiesparende Pumpen ersetzen
- Büromaterialien auf umweltschonende Produkte umstellen und Recyclingpapier einführen
- Mitarbeiter zu energiesparendem Verhalten schulen und anhalten
- Stand-by Betrieb bei Elektrogeräten vermeiden und ÜElektrogeräten auf Kriechstrom im ausgeschalteten Zustand überprüfen, sowie Zwischenschalter einbauen
- Fuhrparks auf Energiesparmodelle umstellen, Elektrofahrzeugen anschaffen, wenn der Betrieb mit Ökostrom sichergestellt ist
- Dienstfahrten einschränken bzw. bündeln
2. Die Gemeinde als Verkehrsplanerin
- Motorisierten Individualverkehr einschränken
- Tempo 30 auf allen innerörtlichen Straßen (gemäß des Wunsches des EU-Parlamentes, siehe TAZ vom 28.9.2011) einführen
- Fahrradspuren auf den Hauptstraßen kennzeichnen
- Fußgänger- und Fahrradfahrerfreundliche Ampelschaltungen einführen
- Verkehrsleitung überprüfen (insbesondere Autobahnhinweisschilder)
- Konsequente Geschwindigkeitsüberprüfung
- Orte durch Busse (Kleinbusse, die öfter fahren und an vielen Haltestellen halten) besser erschliessen
- Nachbarorte durch den ÖPNV besser anbinden
- Bad Schönborn in bestehende Car-sharing-Angebote einbeziehen
3. Die Gemeinde als Produzentin Erneuerbarer Energien
- Potential der Gemeinde für Anlagen zur Energiegewinnung (Blockheizkraftwerke, Biogas, Wind, Geothermie) überprüfen
- achflächen für Solarstromanlagen für öffentliche, private oder genossenschaftliche Investitionen ausweisen
- Wärmerückgewinnung aus dem Abwasser des Thermariums und Nutzung der Energie zum Heizen oder zur Stromerzeugung
4. Die Gemeinde als Bauplanerin
- Bereits bei der Erstellung des Bebauungsplanes wird über den zu erwartenden Energieverbrauch eines Gebietes entschieden.
- Dachneigung und Gebäudeausrichtung müssen für den Einsatz von Photovoltaikanlagen und solarthermischen Anlagen optimiert sein
- Vermeidung gegenseitiger Verschattung der Gebäude zur besseren Ausnutzung der passiven Sonneneinstrahlung
- Bevorzugung einer kompakten Bauweise, da der Primärenergiebedarf von Einzelhäusern höher ist
- Bevorzugte Bebauung von Flächen in den Orten
- Ansiedlung neuer Betriebe in bestehenden Gewerbegebieten
- Flächeneinsparung durch mehrstöckige Bauweise
5. Die Gemeinde als Vorbild, Initiatorin und Aufklärerin für energiesparendes Verhalten
- Bevölkerung in die Formulierung des Energieleitbildes einbeziehen
- Attraktiver Informations- und Beratungsangebote zum Klimaschutz durchführen – Motivation der Bürgerinnen und Bürger selbst KlimaschützerInnen zu werden.
- Angebot von Schulungen zum sparsamen Autofahren
- Aktion zur Ermittlung des CO2-Fußabdrucks der Bad Schönborner
- Programm zur energetischen Bauberatung (Wärmedämmung, Heizung, Nutzerverhalten) der BürgerInnen, Thermographieaktionen
- Beratung über Fördermöglichkeiten von energetischen Sanierungs- und Modernisierungsvorhaben für Bürger
- Jährliche Erstellung eines kommunalen Energieberichts
- Programm: Klimaschutz in Kindergärten und Schulen mit altersgerechten Materialien und Aufklärungsmethoden für Kinder
- Initiative „ÖKOPROFIT Bad Schönborn“ – Möglichkeiten mit Klima- und Umweltschutz Profit zu machen, Handwerk und Tourismus in der Region profitieren
- Energieeffizienzwochen in der Gemeindeverwaltung und den kommunalen Einrichtungen (Schulen, Kindergärten, …) durchführen
- Aufruf zu einem einen sog. „VeggiDay“, an dem bewusst auf den Verzehr von Fleisch verzichtet wird, denn 18 % der weltweiten Treibhausgasemissionen werden durch die Fleischproduktion verursacht
- Initiative zum Bauen von Null-/Plusenergiehäusern
- Klima-Tischs Bad Schönborn mit Vertretern aus Verwaltung, Handel, Handwerk und Gewerbe, Tourismus, Landwirtschaft, Vereinen und interessierten Bürgern einrichten
- Initiative „Bad Schönborn fährt Rad“, Bürger + Touristen steigen um
- Fifty-Fifty-Projekt in den Schulen, die durch das Sparen von Energie eingesparten Gelder stehen je zur Hälfte der Schule und der Gemeinde zur Verfügung
- Gemeindeeigenen und gemeindespezifischen Energiebroschüre erstellen
Abschlussüberlegung
Um ernsthaft zu einer vorbildlichen klimafreundlichen Kommune zu werden, braucht man Instrumentarien, mit denen der Ist-Zustand und die Entwicklung des Ausstosses an klimaschädlichem CO2 einer Gemeinde quantifiziert und überwacht werden können. Genau solche Instrumente werden jenen Gemeinden zur Verfügung gestellt, die von der Energieagentur des Landkreises begleitet werden und z.B. am European Energy Award® teilnehmen.
Der European Energy Award® ist ein international anerkanntes und gefördertes Programm, das in Deutschland seit 10 Jahren Gemeinden, Städte und Kreise auf ihrem Weg zu mehr Klimaschutz und weniger CO2-Ausstoss unterstützt. Im Jahr 2006 wurden in Baden-Württemberg 16 Pilotkommunen von der damaligen Umweltministerin Tanja Gönner im European Energy Award®-Programm begrüßt. Inzwischen nehmen mehr als 60 Gemeinden am Programm teil. Die Einführung des European Energy Award® wird in Baden-Württemberg vom Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg mit 8.000 Euro je Kommune gefördert. Eine Beteiligung am dem European Energy Award® Programm würde sehr gut in das Profil der Kurgemeinde Bad Schönborn passen.
Quellen und weiterführende Links:
Übersicht
- Grün-Alternative Räte Baden-Württemberg (www.gar-bw.de)
- Kommunales Klimabündnis (www.klimabuendnis.de/kommune/klima.htm)
- Energieeffiziente Gebäude und Städte (www.energie-fuer-morgen.de)
- Dena Energieausweis (www.dena-energieausweis.de)
- BUND Fachgruppe Bauen Energie (www.bund-bauen-energie.de)
Kommunalplanung
- Energie- und Klima (www.gar-bw.de/fileadmin/gar/pdf/Energie_und_Klima/KOCHBU05.pdf)
- “Klimaschutz-Plus” (ifeu)
- Bundesaktion Bürger initieren Nachhaltigkeit (www.bund-bin.de)
Kommunalberatung
- KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg GmbH (www.keabw.de)
- Energieagentur des Landkreises Karlsruhe-Land (http://www.zeozweifrei.de/)
- Energieagentur Ravensburg (www.energieagentur-ravensburg.de)
- Energieagentur Regio Freiburg i. Br. (www.energieagentur-regio-freiburg.de)
Förderung & Finanzierung
- CO2 Minderungsprogramm (Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg)
- KfW Förderbank (www.kfw-foerderbank.de)
- Energiecontracting (www.energiecontracting.de)
Erneuerbare Energien
- Erneuerbare Energien (www.erneuerbareenergien.de)
- Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung (www.bkwk.de)
- SolarServer (www.solarserver.de)
- Solarmagazin (www.solarserver.de/solarmagazin/artikeljanuar2007.html)
- Ökostrom Label (www.energie-vision.de)
- Grüner Stromlabel (www.gruenerstromlabel.de)
Beschaffung
- Umweltfreundliche Beschaffung (www.lubw.baden-wuerttemberg.de/servlet/is/16874)
- Beschaffung Info (www.beschaffung-info.de)
- Office TopTen (www.office-topten.de)
Verkehr
- VCD Autoliste (www.vcd.org/vcd_auto_umweltliste.html)
- Spritsparkurs (www.spritsparkurs.de)
- Bundesverband Carsharing (www.carsharing.de)
- Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club (www.adfc.de)
- Fachverband Fußverkehr Deutschland e.V. (www.fuss-ev.de)
- Nahverkehr ausbauen (www.vcd.org/nahverkehr.html)
- ÖPNV Verkehr (www.umweltbundesamt.de/verkehr/verkehrstraeg/oepnv/oepnv.htm)







